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Stadtentwicklung

Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung

Ob integriertes Stadtentwicklungskonzept, Radverkehrskonzept oder die Neugestaltung eines Platzes: Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung dreht sich fast immer um Orte. Dieser Leitfaden zeigt, wann das Recht eine Beteiligung verlangt, welche Formen zu welchem Vorhaben passen und wie Sie Karten, Umfragen und Rückmeldung auf einer Plattform zusammenbringen.

Recht

Wann eine Bürgerbeteiligung vorgeschrieben ist

  • Städtebauförderung und ISEK

    Voraussetzung für die Städtebauförderung ist ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, das unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger entsteht. Für Kommunen unter 100.000 Einwohnern können die Länder abweichende Regeln treffen (Art. 3 Abs. 1 VV Städtebauförderung 2026/2027). Die Beteiligung selbst ist förderfähig (Art. 4).

  • Sanierung, Stadtumbau, Soziale Stadt

    Die Sanierung soll mit Eigentümern, Mietern, Pächtern und sonstigen Betroffenen möglichst frühzeitig erörtert werden, die Betroffenen sollen zur Mitwirkung angeregt werden (§ 137 BauGB). Das gilt auch beim Stadtumbau (§ 171b Abs. 3). Bei Maßnahmen der Sozialen Stadt sollen die Beteiligten in geeigneter Form einbezogen werden (§ 171e Abs. 5).

  • Lärmaktionsplan

    Die Öffentlichkeit erhält rechtzeitig und effektiv die Möglichkeit, an der Ausarbeitung und Überprüfung mitzuwirken. Die Ergebnisse sind zu berücksichtigen, über die Entscheidungen ist sie zu unterrichten. Überprüft werden die Pläne alle fünf Jahre (§ 47d Abs. 3 und 5 BImSchG).

  • Bauleitplanung

    Für Bebauungs- und Flächennutzungspläne gilt § 3 BauGB mit Veröffentlichung im Internet und Stellungnahmen. Online-Beteiligung in der Bauleitplanung

Mobilitäts-, Radverkehrs- und Klimaschutzkonzepte sind in der Regel informelle Planungen. Wie Sie dort beteiligen, legen Sie selbst fest. Prüfen Sie aber, was Ihr Förderprogramm verlangt. Bei der Wärmeplanung schreibt das Gesetz die Beteiligung vor: Bürgerbeteiligung in der Wärmeplanung.

Formen

Welche Beteiligung zu welchem Vorhaben passt

ISEK und Quartiersentwicklung

Zu Beginn sammeln Sie Stärken und Schwächen des Gebiets, am besten auf der Karte. Später stellen Sie Ziele und Maßnahmen zur Diskussion, als Umfrage oder mit Anmerkungen direkt am Entwurf. Planungswerkstätten kündigen Sie als Veranstaltung mit Anmeldung an. Für einen Verfügungsfonds sammeln Sie Projektideen als Vorschläge, über die das lokale Gremium entscheidet.

Mobilitäts- und Radverkehrskonzept

Gefahrenstellen, Lücken im Radnetz oder fehlende Abstellplätze markieren Bürgerinnen und Bürger als Orte auf der Karte, jeweils mit einer Kategorie. Aus den Hinweisen entwickeln Sie Maßnahmen und lassen sie in einer zweiten Runde priorisieren. Schäden an Radwegen nimmt dauerhaft der Mängelmelder entgegen.

Klimaschutz und Klimaanpassung

Den Maßnahmenkatalog eines Klimaschutzkonzepts lassen Sie priorisieren wie beim Mobilitätsplan. Für die Klimaanpassung fragen Sie nach Orten: Wo ist es im Sommer zu heiß, wo gibt es Schatten und Wasser?

Freiflächen und Platzgestaltung

Erst Ideen sammeln, dann über Entwürfe abstimmen und am Ende zeigen, was gebaut wurde. Ein Platz oder ein Park ist ein guter Anlass, Kinder und Jugendliche zu beteiligen, eine Phase lässt sich dafür auf Altersgruppen beschränken. Jugendbeteiligung online

Lärmaktionsplan

Laute Orte auf der Karte markieren lassen, den Entwurf zur Stellungnahme stellen und mitteilen, was entschieden wurde. Bei der Überprüfung nach fünf Jahren nutzen Sie dasselbe Projekt wieder.

Phasen eines Projekts zur Platzgestaltung
Phasen eines Projekts zur Platzgestaltung (Demo-Plattform)

Bürgerbeteiligung auf der Karte

Stadtentwicklung hat fast immer einen Ort, und dafür gibt es auf der Plattform mehrere Wege. Vorschläge tragen einen Ort auf der Karte und ein Bild, andere unterstützen und kommentieren sie. Für schnelle Hinweise markieren Bürgerinnen und Bürger nur einen Ort und wählen eine Kategorie, ganz ohne Text. In einer Umfrage setzen sie Punkte auf einer Karte.

Sie legen fest, wie viele Markierungen eine Person setzen darf. Auf Wunsch nimmt die Plattform nur Markierungen innerhalb des Plangebiets an, das Sie auf der Karte einzeichnen oder als GeoJSON-Datei hochladen.

Geodaten

Masterportal und 3D-Stadtmodell

Masterportal

Geodaten aus dem Masterportal Ihrer Stadt erscheinen als eigene Ebene in der Karte der Plattform. Objekte aus dem Geoportal lassen sich als Vorschläge übernehmen, die man kommentieren und unterstützen kann. In Regensburg liegen so 366 kühle Orte auf der Karte, darunter 284 Grünanlagen und 38 Brunnen.

3D-Stadtmodell

Liegt Ihr 3D-Stadtmodell, etwa als Teil eines digitalen Zwillings, in Virtual City Systems vor, binden wir es direkt in die Karte der Plattform ein. Bürgerinnen und Bürger drehen und zoomen das Modell und sehen ein geplantes Vorhaben in seiner Umgebung.

Masterportal und 3D-Karten sind Erweiterungen, die wir für Sie freischalten. Ihre Kommune braucht dafür ein eigenes Masterportal oder eine Lizenz für Virtual City Systems.

Projektseite zur Neugestaltung eines Marktplatzes
Projektseite zur Neugestaltung eines Marktplatzes (Demo-Plattform)

Ein Vorhaben, eine Seite

Stadtentwicklung dauert Jahre. Ein Projekt bündelt den ganzen Prozess auf einer Seite: Phasen mit eigenen Terminen, Pläne und Dokumente, Veranstaltungen und Neuigkeiten. Große Vorhaben gliedern Sie in Unterprojekte, etwa je Quartier oder Maßnahme.

Wer dem Projekt folgt, erfährt per E-Mail, wenn es Neues gibt. Einen Newsletter zum Projekt schreiben Sie aus dem Projekt heraus, Titel, Bild und offene Phasen sind dann schon eingetragen.

Fragen einer Abstimmung über Entwürfe
Fragen einer Abstimmung über Entwürfe (Demo-Plattform)

Entwürfe und Maßnahmen zur Abstimmung stellen

Liegen Varianten vor, stimmen Bürgerinnen und Bürger darüber ab. Fünf Fragearten stehen bereit: eine Antwort wählen, mehrere Antworten wählen, Stimmen mit Gewicht verteilen, auf einer Skala bewerten und Punkte auf einer Karte setzen. Bei langen Maßnahmenlisten hilft es, die Frage zu teilen: erst Favoriten wählen, dann gezielt bewerten.

Wer mitmachen darf, legen Sie je Phase fest: alle ohne Anmeldung, nur registrierte oder nur verifizierte Personen, auf Wunsch beschränkt auf ein Gebiet oder eine Altersgruppe. Stimmen vom Infostand erfassen Helferinnen und Helfer direkt in der Plattform.

Bürgerbefragung online

Rückmeldung

Ergebnisse zurückmelden

Zu jeder Phase gibt es eine Auswertung mit Kennzahlen, Karte und Zeitverlauf. Daraus erzeugen Sie einen PDF-Bericht und bestimmen, was davon öffentlich sichtbar ist. Auf Vorschläge antwortet die Verwaltung öffentlich, mit Meilensteinen zeigen Sie den Stand der Umsetzung. Bochum dokumentiert in einer eigenen Phase „Umgesetzte Pocket Parks“, was aus den Einreichungen geworden ist.

Beteiligung auswerten

Aus der Praxis

Stadtentwicklung mit Beteiligung

  • 366kühle Orte aus dem Masterportal

    Stadt Regensburg

    Alle Orte auf der Karte der kühlen Orte stammen aus dem Masterportal der Stadt. Der Import legt zu jedem Objekt einen Vorschlag an, den man kommentieren und unterstützen kann.

    Geodaten in der Bürgerbeteiligung
  • 89Maßnahmen im Mobilitätsplan

    Stadt Bottrop

    Die Maßnahmen sind nach sechs Dimensionen sortiert. Aus jeder wählten Teilnehmende bis zu drei Favoriten, ohne vorher ein Konto anzulegen.

    Maßnahmenbeteiligung in Bottrop
  • 276Hinweise zur Nahmobilität

    Landeshauptstadt München

    Für das Nahmobilitätskonzept in Allach-Untermenzing sammelte das Mobilitätsreferat 2025 erst Hinweise und ließ dann über die daraus abgeleiteten Maßnahmen abstimmen.

    Zweimal gefragt
  • 65Vorschläge, zwei fertige Parks

    Stadt Bochum

    2023 sammelte das Umwelt- und Grünflächenamt Vorschläge für ungenutzte Flächen. Inzwischen sind zwei Pocket Parks fertig.

    Pocket Parks in Bochum

Einen Überblick über alle Formen der Online-Beteiligung gibt der Leitfaden digitale Bürgerbeteiligung.

Stadtentwicklung

Häufige Fragen

Ist Bürgerbeteiligung beim ISEK Pflicht?

Für die Städtebauförderung ja. Die Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung 2026/2027 verlangt ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept, das unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger entsteht. Für Kommunen unter 100.000 Einwohnern können die Länder abweichende Regeln treffen.

Muss die Öffentlichkeit beim Lärmaktionsplan beteiligt werden?

Ja. Nach § 47d Abs. 3 BImSchG erhält sie rechtzeitig und effektiv die Möglichkeit, an Ausarbeitung und Überprüfung mitzuwirken, und wird über die Entscheidungen unterrichtet.

Können wir unser 3D-Stadtmodell einbinden?

Ja, wenn es in Virtual City Systems vorliegt. Wir binden es direkt in die Karte der Plattform ein. Geodaten aus dem Masterportal erscheinen dort als eigene Ebene.

Wie verhindern wir Markierungen außerhalb des Plangebiets?

Zeichnen Sie das Plangebiet auf der Karte der Phase ein oder laden Sie es als GeoJSON-Datei hoch und schalten Sie die Einschränkung ein. Dann nimmt die Plattform nur Markierungen innerhalb dieser Fläche an.

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Weitere Funktionen

  • Mängelmelder

    Schäden mit Foto und Ort melden, die Meldung landet automatisch beim zuständigen Amt.

  • Vorhabenliste

    Geplante Vorhaben mit Stand, nächsten Schritten und Ortsteil auf der Karte veröffentlichen.

  • Auswertung

    Kennzahlen, Karte und PDF-Bericht je Phase, auf Wunsch mit KI-Analyse.