Jugendbeteiligung
Jugendbeteiligung online in der Kommune
Jugendbeteiligung online heißt: Jugendliche bringen ihre Ideen über das Internet in die Planungen ihrer Kommune ein, stimmen ab und erfahren, was daraus geworden ist. Dieser Leitfaden zeigt, was das Gesetz verlangt, welche Formate zu jungen Menschen passen und wie Sie eine Beteiligung nur für bestimmte Altersgruppen öffnen.
Recht
Was das Gesetz zur Jugendbeteiligung sagt
Bauleitplanung
Bei der frühzeitigen Unterrichtung über einen Bauleitplan sind Kinder und Jugendliche ausdrücklich Teil der Öffentlichkeit (§ 3 Abs. 1 BauGB). Online-Beteiligung in der Bauleitplanung
Gemeindeordnungen
In Baden-Württemberg soll die Gemeinde Kinder und muss sie Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen (§ 41a GemO). In Brandenburg sichert die Gemeinde Kindern und Jugendlichen in allen sie berührenden Gemeindeangelegenheiten Beteiligungs- und Mitwirkungsrechte (§ 19 BbgKVerf). Schleswig-Holstein verpflichtet Städte und Gemeinden, geeignete Beteiligungsverfahren zu entwickeln (§ 47f GO).
Kinder- und Jugendhilfe
Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen (§ 8 SGB VIII).
Wie die Beteiligung aussieht, lassen die Gesetze weitgehend offen. Die Regeln unterscheiden sich von Land zu Land, ein Blick in die eigene Gemeindeordnung lohnt sich. In Brandenburg soll die Gemeinde außerdem dokumentieren, wie sie Kinder und Jugendliche beteiligt hat.
Formate
Welche Formate zu Jugendlichen passen
Jugendliche beteiligen sich, wenn die Frage konkret ist und sie sehen, was passiert.
Kurz fragen
Eine Kurzumfrage oder eine Abstimmung mit wenigen Fragen passt auf den Bildschirm eines Smartphones. Für Abstimmungen gibt es fünf Fragearten, vom Ankreuzen bis zum Punkt auf der Karte.
Ideen sammeln
Jugendliche reichen Vorschläge ein, mit Ort auf der Karte und Bild, und unterstützen die Ideen anderer. Die Verwaltung antwortet öffentlich auf jeden Vorschlag.
Mitentscheiden
Ein Jugendbudget ist ein Bürgerbudget, über das nur bestimmte Altersgruppen abstimmen. Vorschläge, Prüfung und Abstimmung laufen in einem Projekt.
Schnell zurückmelden
Was ist aus den Ideen geworden? Mit Meilensteinen und Fortschrittsbalken zeigen Sie die Umsetzung. Wer dem Projekt folgt, bekommt neue Meilensteine per E-Mail.
Aus Augsburg kam beim Consul Meetup die Erfahrung, dass Jugendliche auf kurze, transparente Entscheidungswege angewiesen sind. Planen Sie die Phasen deshalb lieber kurz und sagen Sie vorher, was schon feststeht und was offen ist.

Eine Phase nur für Jugendliche öffnen
Für jede Phase legen Sie fest, wer teilnimmt: alle ohne Anmeldung, nur registrierte oder nur verifizierte Personen. Zusätzlich beschränken Sie die Phase auf eine Altersgruppe, etwa auf 12 bis 17 Jahre. Die Altersgruppen legen Sie selbst an, mit oder ohne Ober- und Untergrenze.
Die Plattform prüft das Alter anhand des Geburtsdatums im Konto. Eine Altersgrenze setzt deshalb ein Konto voraus. Eine Phase, die Gäste ohne Anmeldung zulässt, steht allen offen. Geprüft ist das Geburtsdatum nur, wenn die Phase zusätzlich eine Verifizierung verlangt, etwa über die BundID oder einen Abgleich mit dem Melderegister. Ein Mindestalter für die gesamte Plattform ist ebenfalls einstellbar.
Jugendgremien einbinden
Gibt es in Ihrer Kommune einen Jugendgemeinderat oder einen Jugendbeirat, beschränken Sie eine Phase auf eine feste Nutzergruppe, etwa die Mitglieder dieses Gremiums. So stimmt der Jugendgemeinderat online ab, und die Ergebnisse veröffentlichen Sie für alle.
Erreicht oder nicht?
Die Auswertung jeder Phase zeigt die Teilnehmenden nach Altersgruppen, soweit diese Angaben vorliegen. So sehen Sie, ob Sie die Jugendlichen wirklich erreicht haben. Mehr zur Auswertung

Dorthin gehen, wo Jugendliche sind
Jugendliche suchen selten von sich aus eine Beteiligungsplattform. Ein WhatsApp-Bot nimmt Vorschläge im Chat entgegen und stellt die Fragen einer Abstimmung einzeln. Für jede Phase erzeugen Sie einen QR-Code, als Bild oder als fertigen Aushang, der direkt in den Chat führt, etwa vom Aushang in der Schule oder im Jugendzentrum. Der Bot ist derzeit im Pilotbetrieb, wir richten ihn auf Anfrage ein.
Die Mitmachbox steht dort, wo die Leute schon sind. Frage lesen, Taste drücken, fertig. Ohne Anmeldung, ohne App. Die Antworten fließen in dasselbe Projekt wie die Beiträge von der Plattform.
Aus der Praxis
Jugendbeteiligung in der Kommune: Beispiele
ab 14Jahren abstimmen
Landeshauptstadt München
Beim MünchenBudget entscheiden Münchnerinnen und Münchner ab 14 Jahren, welche Ideen aus einem Topf von einer Million Euro umgesetzt werden.
MünchenBudget 202550.000 €Schülerinnen und Schüler entscheiden
Jugend schenkt, Hamburg
Schülerinnen und Schüler der Hamburger Oberstufe schlagen Projekte vor, diskutieren in der Klasse und stimmen digital ab. Im ersten Durchlauf waren die Beiträge bewusst nicht öffentlich. Das Programm passt in eine Projektwoche.
Jugend schenkt25Jugendliche in sieben Tagen
Stadt Augsburg
Für einen Jugendspielplatz in der Maria-Straße mit 45.000 Euro Budget reichten Jugendliche Vorschläge ein und unterstützten sie. Augsburg hat außerdem einen Jugendbeteiligungscheck eingeführt: Bei städtischen Beschlüssen wird geprüft, ob eine Beteiligung der Jugend sinnvoll und möglich ist.
Jugendbeteiligung in Augsburg
Wer Jugendbeteiligung dauerhaft verankern will, schreibt sie in die Leitlinien für Bürgerbeteiligung. Einen Überblick über alle Formen gibt der Leitfaden digitale Bürgerbeteiligung.
Jugendbeteiligung
Häufige Fragen
Ab welchem Alter können Jugendliche online mitmachen?
Das legen Sie fest. Das Mindestalter für die Plattform ist einstellbar, und jede Phase lässt sich zusätzlich auf eine Altersgruppe beschränken. Beim MünchenBudget stimmen Münchnerinnen und Münchner ab 14 Jahren ab.
Brauchen Jugendliche ein Konto?
Für eine Phase mit Altersgrenze ja, denn die Plattform prüft das Alter anhand des Geburtsdatums im Konto. Phasen, die Gäste zulassen, funktionieren ohne Konto, stehen dann aber allen Altersgruppen offen.
Ist Jugendbeteiligung Pflicht?
In manchen Ländern ja. In Baden-Württemberg muss die Gemeinde Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen (§ 41a GemO). Auch Brandenburg und Schleswig-Holstein regeln die Beteiligung in ihren Kommunalgesetzen.
Brauchen wir eine eigene Plattform für Jugendliche?
Nicht unbedingt. Projekte und Phasen nur für Jugendliche laufen auf derselben Plattform wie die übrige Beteiligung, mit demselben Konto. Augsburg hat für Jugendliche eine eigene Plattform eingerichtet, so verbunden, dass sie sich trotzdem nur einmal anmelden müssen.
Jugendbeteiligung in Ihrer Kommune
Wir zeigen Ihnen an einem Beispiel, wie Sie eine Phase nur für Jugendliche anlegen.
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Weitere Funktionen
- Bürgerhaushalt
Vom Vorschlag über die Prüfung durch die Verwaltung bis zur Abstimmung über das Budget.
- WhatsApp-Bot
Vorschläge, Abstimmungen und Benachrichtigungen im Chat, direkt verbunden mit der Plattform.
- Auswertung
Kennzahlen, Karte und PDF-Bericht je Phase, auf Wunsch mit KI-Analyse.
