
366 bestehende Orte liegen auf der Karte der kühlen Orte in Regensburg, und keinen davon hat jemand von Hand in die Beteiligung übertragen. 284 Grünanlagen sind als Flächen eingezeichnet, dazu kommen 82 Punkte mit eigenem Symbol, darunter 38 Brunnen und acht Trinkwasserbrunnen. Sie alle stammen aus dem Masterportal der Stadt.
Wer den Pin „Trinkbrunnen“ anklickt, sieht zuerst, was die Stadt im Geoportal zu diesem Ort hinterlegt hat. Ein Klick weiter landet man auf einer eigenen Seite, und dort ist der Trinkbrunnen kein Kartensymbol mehr, sondern ein Vorschlag in der Beteiligung. Technisch ist er dieselbe Art Datensatz wie jeder Beitrag, den Menschen aus der Stadt selbst eingereicht haben.
So sieht es aus, wenn Geodaten in der Bürgerbeteiligung nicht als Hintergrundbild enden.
Zwei Systeme, die sich selten begegnen
In den meisten Verwaltungen liegen die Fachdaten an einem Ort und die Beteiligung an einem anderen. Das Geoportal pflegt die GIS-Stelle oder das Vermessungsamt, die Beteiligungsplattform betreut die Stadtplanung, das Klimaschutzmanagement oder wer gerade das Verfahren verantwortet. Beide Seiten haben gute Gründe für ihre Werkzeuge. Nur begegnen sich die Werkzeuge kaum.
Wer beides auf eine Karte bringen will, hatte bisher zwei unbefriedigende Wege. Entweder werden Brunnen und Badestellen noch einmal von Hand in die Beteiligung übertragen, was Zeit kostet, die im Amt neben dem Tagesgeschäft niemand übrig hat. Oder man bettet die Geoportal-Karte per Iframe neben dem Verfahren ein. Dann kann man schauen, aber nichts beitragen.
Wir sehen dieses Muster in vielen Verfahren mit Raumbezug, und es hat selten mit fehlendem Willen zu tun. Die Daten sind einfach in einem anderen Haus zu Hause.
Eine ganze Reihe von Verwaltungen baut ihr Geoportal mit dem Masterportal. Der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg hat es entwickelt und stellt es als Open-Source-Lösung unter der MIT-Lizenz bereit. Weiterentwickelt wird es inzwischen von einer Implementierungspartnerschaft aus Organisationen der öffentlichen Verwaltung, die es selbst einsetzen. Ein Strategisches Komitee der Partner entscheidet dort, welche neuen Funktionen in den zentralen Code aufgenommen werden. Für eine Software, die vor allem Behörden nutzen, ist das ein angenehm unaufgeregtes Modell.
Was in Regensburg auf der Karte liegt
Die Stadt Regensburg hat die Anbindung des Masterportals an ihre Beteiligungsplattform im April 2026 beauftragt, im Sommer war sie fachlich abgeschlossen. Die Karte der kühlen Orte ist das Projekt, an dem man das Ergebnis heute am besten sieht.
Unter den 82 Punkten finden sich neben Brunnen und Trinkwasserbrunnen auch 20 kühle Innenräume, zehn WCs und sechs Bademöglichkeiten. Darunter liegt die Stadtbasiskarte als WMS-Ebene, beim Aufruf eingeschaltet. Eine zusätzliche Ebene mit Ortsbeschriftungen lässt sich zuschalten, ist beim Aufruf aber ausgeschaltet.
Klickt man einen Pin an, erscheinen die Eigenschaften, die das Geoportal mitliefert. Die Adresse setzt die Plattform dabei aus ihren Einzelteilen zusammen, Telefonnummern und Internetadressen werden als solche erkannt. Technische Schlüssel, die außerhalb der GIS-Abteilung niemanden interessieren, blendet sie aus. Am ausführlichsten ist übrigens das Westbad beschrieben. Es trägt acht Eigenschaften, von Preis und Barrierefreiheit bis zu den Öffnungszeiten und der Frage, ob es sich für Familien eignet.
Den Code der Regensburger Plattform gibt es seit August öffentlich auf OpenCode.
Wie die Daten in die Beteiligung kommen
Der Weg dorthin beginnt in der Verwaltungsoberfläche von Consul, an der jeweiligen Phase eines Projekts. Dort gibt es den Bereich „Import von Masterportal-Daten“.
Für die Quelle gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder wählt man unter „Verfügbare Datensätze“ Sammlungen direkt aus dem Geoportal, das die Daten über eine OGC-API-Features-Schnittstelle bereitstellt. Oder man lädt eine GeoJSON-Datei hoch. Der Datei-Weg braucht keinen erreichbaren Endpunkt, was hilft, wenn der Dienst nur im Verwaltungsnetz läuft oder die GIS-Stelle die Daten lieber als Export übergibt.
Ist der Schalter „Vorschläge erzeugen“ an, legt der Import zu jedem Objekt gleich einen Datensatz in der Beteiligung an. Ein Klick auf „Importieren“ startet den Lauf, bis zu 20.000 Objekte je Sammlung verarbeitet er in einem Durchgang. Wer ungeduldig ein zweites Mal klickt, während der erste Lauf noch arbeitet, wird abgewiesen, statt doppelte Einträge zu erzeugen. Den Status schreibt der Lauf an die Phase, und wenn etwas schiefgeht, steht dort auch der Fehlertext.
Was aus einem importierten Objekt wird, hängt an der Phase. In einer Vorschlagsphase entsteht ein Vorschlag, wie beim Regensburger Trinkbrunnen. Liegt derselbe Datensatz in einer Budgetphase, wird daraus eine Einreichung für das Bürgerbudget, und in einer Phase für Orte von Interesse eben ein Ort von Interesse. Weil ein so erzeugter Vorschlag ein gewöhnlicher Datensatz der Beteiligung ist, lässt er sich kommentieren und unterstützen wie jeder andere.
Eine Kleinigkeit spart erstaunlich viel Kleinarbeit. Die Sammlungen aus dem Geoportal können per Schalter die Kategorien des Projekts werden. Niemand muss die Einteilung des Geoportals ein zweites Mal abtippen, und die Begriffe bleiben dieselben wie dort. Ein Automatismus ist das bewusst nicht, der Schalter wird je Phase gesetzt.
Unabhängig vom Import lässt sich das Masterportal zusätzlich als WMS-Ebene in die Consul-eigene Karte legen, ohne Iframe. Beides wird getrennt eingerichtet. Ein Projekt kann das eine ohne das andere haben.
Was der Import nicht kann
Übernommen werden Punkte und Flächen, also Polygone und Multipolygone. Linien nicht. Radwege oder Leitungstrassen aus dem Geoportal bleiben deshalb draußen.
Der Import ist außerdem ein Lauf, den jemand auslöst, und kein Abgleich, der im Hintergrund mitläuft. Ändert sich danach etwas im Geoportal, kommt das nicht von selbst in der Beteiligung an.
Der Weg zurück ins Geoportal
Die Sammelphase der Karte der kühlen Orte endete am 31. August 2026. Was dort eingereicht wurde, wertet die Stadtverwaltung laut Projektseite aus und stellt die Karte anschließend im Geoportal öffentlich zur Verfügung.
Damit schließt sich ein Kreis, der in Verwaltungen selten geschlossen wird. Die Fachdaten der Stadt sind in die Beteiligung gewandert. Was die Menschen dort ergänzt haben, geht dorthin zurück, wo die Stadt ihre Daten pflegt.
Das Geoportal wusste schon vorher, wo der Trinkbrunnen steht. Wo es an heißen Tagen sonst noch kühl ist, wussten die Leute im Viertel.
Bildnachweis: Logo Masterportal © Freie und Hansestadt Hamburg, Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung, MIT-Lizenz; Karte: Stadt Regensburg, Karte der kühlen Orte



