Zum Inhalt springen
Features

BundID in der Bürgerbeteiligung: Was die Verwaltungs-ID wirklich bringt

5 Min. Lesezeit

BundID in der Bürgerbeteiligung: Was die Verwaltungs-ID wirklich bringt

Der Personalausweis liegt flach auf der Rückseite des Smartphones, etwas schief, weil die Handyhülle am Rand aufträgt. Auf dem Bildschirm wartet die AusweisApp auf die PIN. Daneben steht der Laptop mit der Beteiligungsplattform der Stadt, die Abstimmung über den neuen Marktplatz läuft noch elf Tage. Ein kurzes Vibrieren, dann zeigt die Plattform das Konto als verifiziert an.

Eine Minute, vielleicht zwei.

Vorausgesetzt, die Online-Funktion des Ausweises war schon aktiviert und der PIN-Brief liegt nicht in jener Schublade, die seit dem letzten Umzug niemand mehr geöffnet hat.

So sieht der Idealfall aus, wenn Kommunen die BundID in der Bürgerbeteiligung einsetzen. Eigentlich ist die Verwaltungs-ID des Bundes das zentrale Konto für Online-Anträge bei Behörden. Sie lässt sich aber auch an eine Beteiligungsplattform anbinden. Was sie dort leistet und wo sie an Grenzen stößt, geht in vielen Diskussionen durcheinander.

Anmelden und verifizieren sind zwei verschiedene Dinge

Auf Plattformen mit unserem Consul-Fork hat die BundID zwei Rollen. Die erste ist schlicht die Anmeldung. Wer möchte, registriert sich mit der BundID statt mit Benutzername und Passwort und meldet sich später auf demselben Weg wieder an.

Die zweite Rolle ist die Verifizierung, und an ihr hängt der eigentliche Wert. Ein Konto gilt erst als verifiziert, wenn die BundID mit dem Vertrauensniveau „substanziell“ oder „hoch“ genutzt wurde. Substanziell erreicht man etwa mit einem ELSTER-Zertifikat, hoch mit dem Online-Ausweis. Eine BundID, die nur auf Benutzername und Passwort beruht, meldet an. Verifizieren kann sie nicht.

Der Unterschied klingt nach Kleingedrucktem. Bei einer verbindlichen Abstimmung entscheidet er darüber, ob jemand überhaupt abstimmen darf.

Die drei Stufen beschreibt die Bundesagentur für Arbeit auf ihrer Infoseite zur BundID erfreulich ohne Behördenlyrik. Benutzername und Passwort gelten als Basisregistrierung, das ELSTER-Zertifikat als substanziell, der Online-Ausweis als hoch. Für die höchste Stufe braucht es einen Ausweis mit aktivierter Online-Funktion samt PIN, dazu die AusweisApp und ein NFC-fähiges Smartphone oder ein Kartenlesegerät. Die offizielle Darstellung steht auf id.bund.de.

Verifizierung nur dort, wo das Projekt sie braucht

Nicht jedes Projekt braucht verifizierte Konten. Eine Ideensammlung für einen Stadtpark lebt davon, dass viele mitmachen, und jede zusätzliche Hürde hält dort Leute ab. Anders sieht es aus, wenn ein Ergebnis Gewicht haben soll. Das betrifft verbindliche Abstimmungen, einen Bürgerhaushalt nur für Einwohnerinnen und Einwohner oder Beteiligungen, die sich gezielt an die Betroffenen eines bestimmten Gebiets richten.

Die Plattform verlangt die Verifizierung deshalb nur, wenn ein Projekt sie vorsieht. Wer sich ohne Verifizierung registriert hat, holt sie später nach, sobald das erste Projekt danach fragt.

Wie das für Bürgerinnen und Bürger aussieht, zeigt Bochum. Auf bochum-mitgestalten.de folgt unter dem Registrierungsformular ein schlichtes „ODER“, darunter „Registrierung mit:“ und ein Knopf mit dem BundID-Logo. Auf der Anmeldeseite steht derselbe Knopf unter „Anmelden mit:“. Ein Hinweistext nennt als Weg den Personalausweis oder Elster. Und schon oben im Formular steht, dass nur einige Projekte eine Verifizierung voraussetzen und dass sie sich später in den Konto-Einstellungen nachholen lässt.

Das wirkt unspektakulär. Genau darin liegt die Stärke, denn niemand muss sich beim ersten Besuch mit Vertrauensniveaus beschäftigen.

Eine BundID, ein Konto

Den größten Nutzen sieht man auf keiner Startseite. In der aktuellen Version unserer Plattform lässt sich eine BundID nur an ein einziges Konto binden. Wer versucht, mit derselben BundID ein zweites Konto zu verifizieren, wird abgewiesen.

Das ist der Kern.

Bei Online-Abstimmungen kommt die Sorge vor Mehrfachstimmen fast immer als erste auf den Tisch, oft bevor jemand die Plattform überhaupt geöffnet hat. Mit verifizierten BundID-Konten gibt es darauf eine belastbare Antwort. Hinter jeder so verifizierten Stimme steht eine Person, deren Identität ein staatliches Verfahren bestätigt hat, und dieselbe BundID verifiziert kein zweites Konto.

Übermittelt werden dabei Name, Geschlecht, Geburtsdatum, Anschrift und E-Mail-Adresse, außerdem Zugangsart, Vertrauensniveau und eine eindeutige Kennung. Seit Oktober 2026 fragt die Plattform weniger ab als zuvor, etwa den Geburtsort nicht mehr. Die Angaben zur Person landen im Nutzerkonto. Zur BundID selbst hält sie nur noch eine Zusammenfassung fest (Niveau, Zugangsart und welche Felder angekommen sind), nicht den ganzen Datensatz. Was eine Beteiligungsplattform nicht braucht, muss sie auch nicht aufheben.

Technisch läuft die Anbindung über den Vermittlungsdienst der AKDB per SAML, die Kommune registriert sich dafür als Dienstanbieter, und demokratie.today richtet die Verbindung ein. Bleiben die Zertifikate. Sie laufen ab, zuverlässiger als jede Wiedervorlage, und müssen rechtzeitig erneuert werden.

Warum die BundID nicht allein stehen darf

Man könnte glauben, eine bundesweite Identität mache jeden anderen Verifizierungsweg überflüssig. Die Schublade mit dem PIN-Brief spricht dagegen.

Nach unserer Einschätzung haben viele Menschen die Online-Funktion ihres Ausweises nie aktiviert, und ein ELSTER-Zertifikat hat längst nicht jede und jeder. So genau lässt sich das nicht beziffern. Die Richtung ist trotzdem klar. Eine Abstimmung, die ausschließlich über die BundID verifiziert, verliert vermutlich gerade die Menschen, die mit Behörden-Apps wenig anfangen können.

Auf unserer Plattform ergänzt die BundID deshalb andere Wege, statt sie zu ersetzen. Der Abgleich mit dem Melderegister führt ohne Ausweis-App zu einem verifizierten Konto. Dazu kommen Landeslösungen, in München etwa die BayernID.

Die BundID bringt unter diesen Wegen den Nachweis mit dem meisten staatlichen Gewicht mit. Sie verlangt von Bürgerinnen und Bürgern aber auch die meisten Voraussetzungen.

Der Ausweis auf dem Smartphone bleibt der eleganteste Weg zu einer verifizierten Stimme. Fair wird eine Abstimmung erst, wenn auch die Menschen ohne aktivierte PIN einen anderen Weg hinein finden.

Weitere Beiträge