Bamberg, Hildesheim, Lübeck und die Region Kiel haben sich etwas vorgenommen. Im Rahmen des Bundesprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ wollen sie gemeinsam ein interoperables Beteiligungsökosystem aufbauen: verschiedene Werkzeuge, offene Schnittstellen, eine einzige Anmeldung. Open-source, für alle.
Es ist ein ambitioniertes Ziel. Und wer unsere Plattform kennt, wird beim Lesen der Kooperationsvereinbarung ein leises Déjà-vu haben.
In den letzten Jahren hat Consul eine Entwicklung durchlaufen, die von außen vielleicht nicht sofort sichtbar ist. Keine große Ankündigung, kein Versionsprung mit Feuerwerk – sondern eine konsequente Arbeit am Backend, die heute Anschlussmöglichkeiten schafft, die vor drei Jahren noch nicht denkbar waren.
Es fing mit KI an. Nicht als Experiment, sondern als produktive Erweiterung: ein KI-Assistent, der Kommunen bei der Strukturierung von Beteiligungsprojekten hilft, eine Sprach-KI, die Beiträge von Bürgerinnen und Bürgern automatisch zusammenfasst, eine Auswertungskomponente, die aus tausend Einzelbeiträgen lesbare Muster macht. Das war 2023 noch eine Randnotiz – heute ist es Standardfunktion für viele unserer Klienten.
Dann kam die API. Die Stadt Würzburg hat sie im Rahmen ihres Smart City Programms in Auftrag gegeben: eine umfangreiche eigene Schnittstelle, über die externe Systeme direkt an Consul angebunden werden können. Was das konkret bedeutet, lässt sich an drei Beispielen zeigen: Matomo für datenschutzkonforme Nutzungsanalyse – DSGVO-konform, wahlweise auch ohne Cookies. LimeSurvey-Formulare als vollwertige Beteiligungsphase, eingebettet direkt in den Projektverlauf. Und 3D-Karten über Virtual City Systems für raumbezogene Planungsprozesse, bei denen eine flache Karte nicht reicht.
Jede dieser Integrationen war eine eigene Anforderung. Zusammen ergeben sie ein Bild.
Parallel zur API-Entwicklung hat sich die Verifikationsebene von Consul erheblich erweitert. Wer in einem Beteiligungsprozess mitmachen darf, ist keine triviale Frage – und die Antwort variiert stark je nach Prozessdesign.
Für eine stadtweite Konsultation kann offene Teilnahme ohne Anmeldung sinnvoll sein. Für ein Quartiersbudget, bei dem nur Bewohnende eines bestimmten Stadtteils abstimmen dürfen, braucht es Verifikation. Consul unterstützt heute BundID, Servicekonto.NRW und OpenRathaus-Verifikation, dazu SMS und Brief. Beteiligungsbeschränkungen lassen sich bis auf den Wahlkreis oder die Altersgruppe feinjustieren – Jugendparlamente, Bürgerräte, geschlossene Gruppen mit Einladungslogik. Was nach einer langen Liste von Spezialanforderungen klingt, ist in Consul inzwischen konfigurierbar, nicht mehr maßgefertigt.
Die jüngste Erweiterung fügt sich in dieses Bild ein. Die Stadt Regensburg hat uns beauftragt, das Masterportal in Consul zu integrieren. Das Masterportal ist eine Open-Source-GIS-Infrastruktur, die in vielen deutschen Kommunen bereits im Einsatz ist – bislang vor allem als Infrastruktur für das Partizipationssystem DIPAS aus Hamburg bekannt. Jetzt ist es auch direkt in Consul eingebunden.
Was das für die Praxis bedeutet: Bürgerinnen und Bürger können im vertrauten Karteninterface bleiben – in der GIS-Umgebung, die ihre Kommune ohnehin betreibt – und dort direkt an einem Beteiligungsprozess teilnehmen. Kein Systemwechsel, kein zweiter Login, kein Medienbruch. Der Prozess findet dort statt, wo die räumlichen Daten schon liegen.
Zurück zu Bamberg, Hildesheim, Lübeck und Kiel.
Was sie als Ziel formulieren – ein Beteiligungsökosystem mit offenen Schnittstellen, Single Sign-On und kombinierbaren Werkzeugen – ist im Kern eine Infrastrukturfrage. Nicht: Welche Plattform ist die beste? Sondern: Welche Plattform lässt sich am besten mit allem anderen verbinden?
Consul gibt auf diese Frage eine klare Antwort: eine eigene API, Authentifizierung über Bundesstandards, Karten- und GIS-Anbindung, einbettbare Drittanbieter-Formulare, datenschutzkonforme Analytik. Kein einzelnes System kann alles. Aber ein System, das sich mit allem verbinden lässt, kommt dem deutlich näher als eines, das auf Vollständigkeit aus eigener Kraft setzt.
Das ist keine Roadmap. Es ist der aktuelle Stand.
Welche Schnittstellen fehlen in eurer kommunalen Beteiligungsinfrastruktur noch – und was hält euch davon ab, sie zu schließen?

