
Die Schnittstelle unserer Beteiligungsplattform kennt inzwischen 46 Ressourcen. Bei 27 davon kann ein fremdes System nicht nur lesen, sondern selbst etwas anlegen. 25 lassen sich ändern, 22 löschen.
Das ist der Teil, über den wir am seltensten reden und nach dem in Ausschreibungen am seltensten gefragt wird.
Vor fünf Jahren war Consul bei uns ein Abzweig der Madrider Software mit einer Handvoll Beteiligungsformate. Im August haben wir einmal durchgezählt, was daraus geworden ist. Das Durchzählen hat einen Nachmittag gedauert, der größte Teil davon ging für die Kartenmodule drauf.
Ein Format reicht schon lange nicht mehr
15 Beteiligungsmodule stehen inzwischen bereit, und sie lassen sich innerhalb eines Projekts frei kombinieren. Vorschläge, Abstimmung, Budget, Kurzumfrage, Formular, Kommentare, Stimmen, Textbearbeitung, Orte von Interesse, Veranstaltungen, Meilensteine, Newsfeed, Benachrichtigungen, Livestream und Iframe.
Der Mängelmelder und die Ideenplattform stehen daneben. Die beiden sind keine Projektphasen, sondern eigene Bereiche der Plattform, und in den fünfzehn deshalb nicht mitgezählt.
Die Spannweite ist größer, als so eine Aufzählung vermuten lässt. Am unteren Ende steht eine Mängelmeldung: Foto, Kartenpunkt, fertig, dreißig Sekunden vom Handy aus. Am oberen Ende steht ein Bürgerhaushalt, bei dem sechsstellige Beträge verteilt werden und jede Stimme nachweisbar von einer wahlberechtigten Person kommen muss.
Zwischen diesen beiden Polen liegt alles andere. Ein Verfahren kann mit einer offenen Ideensammlung beginnen, in eine moderierte Diskussion übergehen und mit einer verbindlichen Abstimmung enden, ohne dass die Teilnehmenden dabei das System wechseln oder sich neu anmelden müssten.
Ob eine Kommune all das je gleichzeitig braucht, bezweifeln wir übrigens. Die meisten arbeiten dauerhaft mit drei oder vier Modulen und lassen den Rest liegen. Nur eben nicht immer mit denselben drei.
Wer mitmacht, weist sich aus
Beteiligung wird in dem Moment verbindlich, in dem klar ist, wer da abstimmt. Deshalb hängen an der Plattform die Nachweiswege, die deutsche Verwaltungen tatsächlich einsetzen.
Die BundID gehört dazu, die BayernID, OpenRathaus, und für den strengsten Fall der direkte Abgleich mit dem Einwohnermelderegister über die XMeld-Schnittstelle. München arbeitet mit der BayernID.
Genauso wichtig ist die Gegenrichtung. Jede Projektphase lässt sich auf eine von drei Stufen stellen. Offen für Gäste, angemeldeten Konten vorbehalten oder nur für verifizierte Personen. Steht eine Phase auf Gast, macht jemand ohne Konto tatsächlich mit, reicht Ideen ein und nimmt an Umfragen teil.
Diese Entscheidung fällt für jede Phase einzeln und nicht einmal für die ganze Plattform. In einem Spielplatzprojekt kann die Ideensammlung für alle offen stehen, während die abschließende Abstimmung den Wohnsitznachweis verlangt. Die Hürde steht dann dort, wo das Ergebnis verbindlich wird, und sonst nirgends.
Die Karte kommt aus dem Vermessungsamt
Räumliche Beteiligung scheitert selten an der Technik und häufig daran, dass jemand Geodaten kopieren soll, die woanders längst gepflegt werden.
Deshalb liest die Plattform die WMS-Dienste der Kommune direkt ein. Über OGC API Features lassen sich amtliche Datensammlungen anbinden, ohne sie zu duplizieren. Dazu kommen das Masterportal, die 3D-Stadtmodelle von Virtual City Systems, OpenStreetMap als Basiskarte und eigene GeoJSON-Ebenen für alles, was sonst nirgends steht.
Der Zuschnitt der Beteiligung folgt derselben Logik. Wahlkreise, Ortsteile, Altersgruppen und, wo es sie gibt, ausgeloste Bürgerräte kommen aus den Daten, die ohnehin schon da sind.
Die Schnittstelle ist keine Einbahnstraße
Damit zurück zu den 46 Ressourcen. Die meisten Plattformen bieten eine API zum Auslesen an, damit die Stadtwebsite die laufenden Projekte anzeigen kann. Das ist nützlich und zu wenig.
In Consul lassen sich über die REST-Schnittstelle Projekte, Projektphasen, Vorschläge, Abstimmungen, Umfragen, Veranstaltungen, Mängelmeldungen, Formulare, Budgets, Meilensteine, Kommentare und Kartenpunkte nicht nur abrufen, sondern auch anlegen und fortschreiben. Ein Ratsinformationssystem kann die Vorhaben der Verwaltung selbst als Projekte einstellen, statt dass jemand sie abtippt. Die Bauhof-Software kann Mängelmeldungen abholen und den Bearbeitungsstand zurückschreiben, sodass die Meldende sieht, was aus ihrem Schlagloch geworden ist.
Die Zugänge sind dabei nicht alles oder nichts. Jeder API-Zugang bekommt eine Rechtestufe, und jeder Zugriff landet in einem Protokoll. Wer das prüfen will, findet die vollständige Dokumentation der Schnittstelle unter /api/docs der eigenen Instanz. Zum Lesen größerer Datenmengen gibt es zusätzlich eine GraphQL-Schnittstelle.
Und wenn gar nichts angebunden werden soll, bleibt der einfache Weg. 19 CSV-Exporte stehen bereit, und Auswertungen lassen sich als Word, ODT und PDF herausziehen.
KI im Haus, Anbieter nach Wahl
Sechs Assistenten arbeiten inzwischen in der Plattform. Sie helfen beim Anlegen von Projekten, fassen eingegangene Beiträge thematisch zusammen, beantworten Bürgerfragen im Chatfenster und begleiten Diskussionen. Wer nicht gern tippt, spricht seinen Beitrag einfach ein.
Der Punkt, auf den es bei kommunalen Ausschreibungen ankommt, ist ein anderer. Welches Sprachmodell dahinter arbeitet, entscheidet die Kommune selbst in den Einstellungen. Elf Anbieter stehen zur Wahl, europäische darunter, und wer gar nichts nach draußen geben will, betreibt ein Modell im eigenen Rechenzentrum.
Was davon in einer Ausschreibung zählt
Funktionslisten sind ein schlechter Maßstab, weil sich jede Liste verlängern lässt. Zwei Fragen taugen mehr.
Läuft das nächste Beteiligungsformat auf derselben Anmeldung wie das letzte, oder schickt die Kommune ihre Bürgerinnen in ein neues System? Und kommen die eigenen Daten wieder heraus, während fremde Systeme hereinkommen?
Bitkom nennt fehlende oder inkonsistente Schnittstellen eine große Hürde der Digitalisierung. Das Positionspapier zum Deutschland-Stack verlangt konsistent dokumentierte, eindeutig versionierte APIs ohne proprietäre Abhängigkeiten, und richtet diese Forderung ausdrücklich an Behörden in ihrer Rolle als Auftraggeber. Die Schnittstelle gehört damit in die Leistungsbeschreibung und nicht in ein Klärungsgespräch nach dem Zuschlag.
Wir haben die Plattform in fünf Jahren so gebaut, dass die Antwort auf beides ja lautet. Der Quellcode liegt unter der AGPL offen. Gehostet wird in Deutschland oder im Rechenzentrum der Kommune, und der Verwaltungsbereich folgt dem KERN-UX-Standard.
Über 30 Kommunen und Initiativen arbeiten damit, von München bis ins Ilzer Land, und 804 Beteiligungsprojekte sind bisher darauf gelaufen. Das nächste wird vermutlich wieder etwas brauchen, das noch niemand angefragt hat. Dafür sind die 46 Ressourcen da.



